Schwein gehabt – Genscher ist wieder da.

Guido sagt: "Der Genscher und ich - wir sind ein super Trio"
Das haette sich der gute Hans-Dietrich wohl auch nicht traeumen lassen. Da geht er nach fast 20 Jahren als Aussenminister und ein paar Herzinfarkten 1992 in den wohlverdienten Ruhestand und muss jetzt, 17 Jahre spaeter, nochmal ran. Wie unter anderem die Welt (FDP Chef Westerwelle will atomwaffenfreies Deutschland) heute berichtet , will Guido Westerwelle wieder an die Aussenpoltik Genscher’s anknuepfen und eigentlich alles genau so machen, wie der Mann im gelben Pullunder es bereits damals tat. Damit duerfte Guido dann wieder mehr Zeit fuer anderes haben. Gut und weiter so, denn irgendjemand muss sich ja auch noch um die Medien kuemmern.

Noch ein Polit-Paerchen, bei dem der eine den Titel und der andere das Sagen hat.
Aehnlich kennen wir das ja auch aus Russland. Naja, uns soll’s recht sein. Hoffen wir, dass Genscher’s Pumpe dem Guido-Belastungstest standhaelt und er endlich das vollenden kann, was er damals begonnen hat.
Der Song zum Programm kommt im Sinne einer kleinen gedanklichen Stuetze zur Feier des Tages von niemand geringerem als Kraftwerk:
Machet, Hans-Dietrich!
Guido kann – dann doch Aussenminister werden.
Guido Westerwelle – Der „Fun-Loving Clown Prince of Politics“ wird erwachsen
Trotz stark sub-optimaler Kommunikation mit ihr, hat die nicht deutschsprachige Presse das Thema Guido Westerwelle aufgenommen.

Vor zwei Tagen widmete die ehrwuerdige New York Times unserem angehenden Vize-Kanzler einen Artikel, der glatt einer Art Portrait gleichkommt (At German Chancellor’s Side, a New Political Power Broker Emerges).
Die New York Times spart nicht mit Lob und informiert sachlich ueber Guido’s nennenswerte Aktivitaeten der zurueckliegenden zehn Jahre. 18-Prozent Partei samt gelber Schuhsolen, Gastauftritt bei Big Brother, Guidomobil – das komplette Programm eben.

Man darf auch ruhig mal traeumen - die Schuhe bleiben aber erstmal weiter im Schrank.
Der BBC-Lapsus vom Wahlabend wird nicht erwaehnt, dafuer aber ein klitzekleiner Versprecher vom Montag. In einer Diskussion zum Thema Atomwaffen sprach der angehende Vize-Kanzler von Wiederbewaffnung, meinte aber Entwaffnung bzw. Abruestung. Naja, kann ja mal passieren nach so einer Nacht.
Fuer die nicht englisch-sprachigen Leser zur Vermeidung von Missverstaendnissen noch ein paar begriffliche Erlaeuterungen:
1. Power = Macht, nicht Strom
2. Party = Partei, nicht Fest/Party
3. Operation = Aktion / Manoever – Guido war NICHT im Krankenhaus
4. Delicay = Spezialitaet, hat hier aber nicht zwangslaeufig was mit Essen zu tun
5. 50 billion = 50 Milliarden – trotzdem noch ne Stange Geld
6. Swing vote in a parliament = Zuenglein an der Wage, keine Musik
7. Red Tape = Buerokratie, nicht rote Kassetten (wenn schon, dann bitteschoen gelbe!)
8. Joker = Witzbold, hat nichts mit der Trumpfkarte beim Karten- oder Quartett-Spiel zu tun
9. 4,000 German troops = vier tausend Deutsche Soldaten, nicht Truppen
Broker heisst letztendlich Haendler. Am bekanntesten – und eigentlich komplett eingedeutscht – ist der Begriff im Zusammenhang mit Finanzmaerkten und Boersenhaendlern. Genau, das sind die Jungs, die den Weltwirtschaftskarren vor kurzem an die Wand gesetzt haben.
Na also, es tut sich was.
Sieht ganz so aus, als sei die Zeit der feierlichen Ruhe vorbei. Endlich sagt mal einer was zu Inhalten. Dass dies nicht Guido Westerwelle ist, sei ihm verziehen – er muss sich ja auch erstmal in seiner neuen Rolle als Wunderwaffe zurechtfinden.
Die drei Themen des Tages heissen Gesundheitsfonds, Kuendigungsschutz und Wehrpflicht. Die Haltung der FDP lautet kurz und buendig zu allen dreien: weg damit, abschaffen! Damit daemmert uns dann auch erstmals, womit die Steuersenkungen finanziert werden sollen ohne dass wir Gefahr laufen, wegen Verletzung der Konvergenzkriterien aufgrund von Neuverschuldung aus Europa geschmissen zu werden. Wobei – letzteres waere ja durchaus ein interessanter Aussen-, Innen-, Finanz- und Wirtschaftspolitischer Ansatz. Mega-Ministermaessig.
Das Interessanteste an diesem Vorgeplaenkel zu den Koalitionsverhandlungen sind die Quellen: Dirk Niebel, Andreas Pinkwart, Hermann Otto Solms . Wer? Genau. Solms mahnt gar, dass die Koalitionsgespraeche scheitern koennten und Angie noch nicht Kanzlerin sei. Jetzt haben wir aber Angst. Und Hoffnung.

"This is a cat." - Doktor Westerwelle lernt Englisch.
Guido bueffelt derweil Englisch und reflektiert nochmal genauestens den Regierungsauftrag. Heisst das jetzt wirklich, dass es mit dem populistischen Rumgemosere jetzt wirklich vorbei ist und er wirklich konstruktiv arbeiten muss?
Mal sehen, wann Guido aus der Klausur mit sich selbst kommt und die Kolaitionskohlen aus dem Feuer reisst.
Glamour – the real White Obama
Noch nichts gemacht und schon gewonnen. Man koennte meinen, Deutschland sei mitten in der Revolution. Wer hat nochmal die Wahl gewonnen und bleibt Kanzlerin? Papperlapapp – Guido Westerwelle is the real white Obama.
Der Spiegel schreibt heute ueber „Glamour mit Guido und Gutti“ (Der Glanz der Tigerente) und hebt den Glamourfaktor der neuen Koalition hervor. Entscheidenden Anteil daran hat selbstverstaendlich Guido Westerwelle. Die dramatischen Veraenderungen des neuen Deutschland kuendigen sich in dem Artikel ebenfalls an. Paul Sahner, seines Zeichens Bunte Kolumnist, hat einen erstaunlich hohen Wortanteil. Ach ja, und Coverboy des Spiegel Snderheftes zur Wahl ist Guido ebenfalls.

Habemus Guido.
Dabei hat Guido ja noch ueberhaupt nicht angefangen. Im Wahlkampf nichts gesagt und ausser Steuersenkungen nichts versprochen, und nach der Wahl ein paar bloede Witzchen gemacht – das war’s. Mal sehen, was er am 3.10. zum Besten gibt. Ansonsten gilt: Reden ist Silber, schweigen ist Gold. Letzteres laesst wenigstens noch Interpretationsspielraum und Platz fuer Illusionen. Gut moeglich, dass die langweiligsten und unspektakulaersten Wahlen der Geschichte hinter uns liegen, und eben auch ihren enstprechenden Protagonisten haben. Das ist jetzt aber unser Problem.
Da wir in Deutschland sind: Glamour heisst uebrigens Glanz. Und die Tigerente meiner Tochter schimmelt.



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